Schwanenkampf

Schwanenkampf

Vor kurzem ist etwas geschehen, was ich in jüngeren Jahren nie für möglich gehalten hätte: Wir haben uns für den Grundkurs in Ornithologie angemeldet. Nun lernen wir, halb im Theorieraum, halb draussen auf Exkursionen, viel über unsere hiesigen Vögel … und über jene, die nur einen Teil ihres Lebens in der Schweiz verbringen. Feriengäste.

So kam es, dass wir vor einigen Tagen bei nassfeuchter Kälte in Rapperswil am See standen und plötzlich einen Schwanenkampf live miterlebten.

Ein Schwan, vermutlich ein Männchen (Höckerschwan‑Männchen haben meist einen etwas grösseren Höcker, die Geschlechtsbestimmung im Feld ist aber schwierig), wurde von einem weiteren verfolgt. Der Verfolger holte auf, griff ihn mit dem Schnabel an und packte ihn am Hals. Er drückte seinen Kopf unter Wasser, als wolle er ihn ertränken. Der bedrängte Schwan kämpfte sich ans flache Ufer und schaffte es, immer wieder Atem zu holen.

Schwanenkampf

Der Schwan machte sich zum Angriff bereit.

Schwanenkampf

Der Angreifer jagte den anderen Schwan durchs Wasser.

Schwanenkampf
Schwanenkampf
Schwanenkampf

Der angreifende Schwan holte auf, dann attackierte er.

Schwanenkampf

Er hielt ihn am Kopf fest.

Schwanenkampf
Schwanenkampf

Immer wieder zog der Angreifer den Kopf des Opfers unter Wasser.

Dann geschah etwas Erstaunliches. Zwei weitere Schwäne kamen schnell angeschwommen. Sie erinnerten uns an Polizisten auf Patrouille, die mit Blaulicht heraneilen. Sie schwammen ganz nah ans Geschehen, als wollten sie sagen:

Hey, wir sind jetzt hier, lass dein Opfer los. 

Der Angreifer liess tatsächlich los, und die Schwäne zogen langsam davon.
 
Bei einer kurzen Google‑Suche lasen wir, dass sich Schwäne bei Kämpfen durchaus einmischen können... allerdings meist, um ihr eigenes Revier zu verteidigen, wenn die Auseinandersetzung hineingerät. Für uns sah es anders aus. Wissen wir denn wirklich so viel über Tiere?

Heute lasen wir im Republik ein sehr spannedes Interview mit Norbert Sachser, Verhaltensbiologe: «Manche Tier­geschichten klingen nach Science-Fiction». Er berichtet von fast unglaublichen Tierverhalten. Von Kakadus mit Kultur, von optimistischen Schweinen, ja gar von einem Wildschwein, das ein anderes Schwein aus einer Falle befreite.

Da scheint die Möglichkeit einer Schwan‑Patrouille plötzlich gar nicht mehr so abwegig.

Schwanenkampf

Nachdem die zwei anderen Schwäne dazugekommen waren, liess der Angreifer sein Opfer entkommen. 

Schwanenkampf

Nachdem der Angreifer aufgegeben hatte, richtete er sich auf und zeigte noch einmal drohend seine ganze Pracht.

Wer sagt Fotos müssen scharf sein?

Wer sagt Fotos müssen scharf sein?

Letztens hat mir mein Sohn seine neusten Fotos geschickt, die er mit seiner Analogkamera in Paris aufgenommen hat. Er hat ein aufmerksames Auge, einen ausgefallenen Stil, eine künstlerische Ader und erzählt mit seinen Bildern (wie auch mit seinen Filmen) offen gelassene Geschichten.

Eines der Fotos hat mich besonders gefesselt. Es zeigte seine Lebenspartnerin, die von einer Menschenmenge umgeben war und sich zu ihm umdrehte. Was ihre Drehung im falschen (oder besser: richtigen) Moment ausmachte, war eine Bewegungsunschärfe im Bild. So kam es,

dass sich die Protagonistin der Szene unscharf präsentierte,

während die zufällig anwesende und unpersönliche Menschenmenge scharf blieb.

Was streng genommen wohl mit einem Seufzer zum Wegwerfbild geworden wäre, wurde plötzlich zum Star der Serie. Aber warum?

Einmal mehr wurde uns bewusst, dass es bei der Fotografie eben nicht nur um die Ablichtung und Festhaltung von Lebewesen, Dingen und Szenen geht, sondern um Kunst, um den Ausdruck einer Geschichte, um das Gefühl, das ein Foto beim Betrachter hinterlässt.

Es gibt Fotos, die betrachten wir beinahe mit der Lupe, Detail um Detail. Bei anderen kneifen wir die Augen leicht zusammen und erleben das Gesamtbild, fühlen, wie es wirkt, spüren die Geschichte dahinter beinahe mit geschlossenen Augen.

Und so kommt es, dass wir euch heute ein paar unserer «Wegwerffotos» präsentieren: Kunstwerke aus der Natur, mit verschwommenen Stellen, die das Bild aus dem Biologiebuch hinausbuxieren, hin zum Louvre der Fotoimpressionen.

winzige Mücke

Eine winzige Mücke, fotografiert im Schwarzwald. Es war bereits ziemlich dunkel im Wald, und die Mücke wollte nicht stillhalten. So schafften wir es nur, einen winzigen Teil des Insekts scharf abzubilden. Und trotzdem ist das Bild ein kleines Kunstwerk geworden.

Fliege

Trotz mehrerer Versuche schafften wir es nicht, diese spannende Fliege scharf abzubilden. Insekten halten oft nicht gerne still, und wir belästigen sie auch nicht gerne zu lange mit der Kamera vor der Nase. Trotz unscharfem Protagonisten gefällt uns das Bild als Ganzes.

Hummel
Hummel im Flug
Hummel im Flug

Keines der Fotos in dieser Serie ist scharf geworden, und doch gefällt uns das Gefühl, das die Bilder in sich tragen und in uns auslösen. Es ist die Geschichte dieser Blume und dieser Hummel, die nicht stillhalten wollten und keine Lust auf ein Fotoshooting hatten.

Wanzen auf Blume

Und noch ein hübsches Beispiel: Fast das ganze Bild ist unscharf, doch die Verschwommenheit scheint der Bühne des Stars in der Mitte zu schmeicheln.

Insekt

Mal ehrlich: Bei solchen Augen muss nichts drumherum scharf sein, denn der Blick kann sich sowieso kaum vom Rot abwenden. Gilt das schon als Hypnose?

Insekt

Und zu guter Letzt möchten wir euch das Foto von Desmond nicht vorenthalten, denn es zeigt mehr als alle Worte, was wir mit «scharf/unscharf» meinen.

Wanzen auf Blume
Kleinstaunen im Schwimmteich

Kleinstaunen im Schwimmteich

Letzten Monat hatten wir das Vergnügen, drei Tage lang in einem Hotel mit Schwimmteich verwöhnt zu werden. Für alle die, die das nicht kennen ... das ist in etwa ein Teich mit all seinen pflanzlichen und tierischen Bewohnern, der jedoch in zwei Zonen aufgeteilt ist: eine Regenerationszone für eben diese Lebewesen und eine Badezone für uns Menschen (genauer nachzulesen zum Beispiel auf Wikipedia).

La Vimeas Garten

Der Schwimmteich, von dem ich gleich noch mehr berichte, ist der Star im Hotelgarten, besonders an heissen Sommertagen. Ein Schwumm im Teich ist angenehm kühl und hinterlässt die Haut fein und zart. Die Regenerationszone des Teichs, wir nennen sie den Naturteil, ist voll mit wunderschönen Seerosen, die wiederum unzählige Insekten und Vögel wie Magnete anziehen. Rund um den Teich ragen tief verwurzelte zufriedene Bäume in den Himmel, spenden Schatten und bieten Lebensgrundlage für wiederum unzählige Vögel und andere Tiere. Unter den Bäumen wachsen Blumen und Kräuter und nicht selten sieht man die Mitarbeitenden aus der Küche, wie sie sich für die Zubereitung des Abendessens bedienen. Immer mit einem freundlichen Lächeln.

Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol

Ein Paradieschen im Südtirol - das Hotel La Vimea

Das so sehr empfehlenswerte Hotel mit seinem Schwimmteich heisst La Vimea und liegt in Naturns, nicht weit weg von der Schweiz.

Wir hatten das Romantik Paket Sonderangebot gebucht und wurden auf jeder Ebene verwöhnt:

  • wunderschönes Sonnenzimmer mit grossem Balkon und direkter Aussicht in den Garten und zum Teich
  • Welcome Drink, Bio-Prosecco und Rapunzel-Schokolade im Zimmer
  • 5-Gang-Gourmet Abendessen mit feinen, wunderschön hergerichteten Kreationen, die uns noch jetzt staunen lassen
  • ein Frühstücksbuffet, welches wir noch nie so erlebt haben, mit fast ausschliesslich hausgemachten Speisen
  • 2 E-Bikes inklusive Lunch-Paket mit viel Liebe zubereitet
  • hausgemachte Cocktails mit Snacks am Teich
  • Frühyoga im Garten begleitet von einer spontanen Vogelsymphonie
  • Waldsauna im Holzfass im Garten und Wellnessbereich im Hotel
  • spätest Check-Out, um aus dem 2-Nächte-Aufenthalt ein 3-Tages-Kurzurlaub zu machen

... und das begleitet von sehr herzlichen, diskreten, hilfsbereiten und aufgestellten Hotelmitarbeitenden.

Gleich nach der Ankunft sinken wir in das kühlende Wasser des Teichs und lassen uns treiben. Die Seelen baumeln.

... schon kommt die erste Libelle, um auszukundschaften, wer da mit ihr das Gewässer teilt. Es ist eine Hufeisen-Azurjungfer, wie wir später auf zwei sehr informativen und nützlichen Libellen-Websites nachlesen: LibellenWissen und Biodivers. Das Tier ist wunderschön, glitzert in der Nachmittagssonne und veranlasst uns dazu, rasch, rasch, rasch zurück ins Zimmer zu gehen, um die Kameras zu holen.

Von da an sieht man uns regelmässig im kühlen Wasser. Mit den Armen über der Oberfläche und den Kameras in den Händen, vorsichtig mit den Zehen auf dem rutschigen Teichboden der Badezone balancierend. Unsere Objektive so knapp über der Wasseroberfläche, bietet eine sehr besondere Perspektive.

Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol

Am zweiten Tag zieht ein Gewitter über uns hinweg und hinterlässt kleine Wasserpfützen auf den Seerosenblätter. Die Sonne kommt schon bald wieder hervor, wie die Spiegelung im Wasser verrät. 

Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol

Sehen statt Hinschauen

Im Moment lesen wir eines der wohl gelungensten Bücher für Fotograf*innen, das uns je begegnet ist: Big Shots! Die Geheimnisse der weltbesten Fotografen von Henry Carroll (gekauft bei Ars Imago). In einem der Kapitel beschreibt der Autor die Fähigkeit, nicht nur hinzuschauen, sondern wirklich zu sehen. Er kommentiert weiter: Was den einen fasziniert, ist für den anderen banal. Beim Sehen schaltet man die Augen ein – und das Gehirn aus.

Stundenlang im Teich stehend, mit Algen um die Beine, Wasserflöhen (rennend? schwebend?) an uns vorbeiziehend, Fliegen surrend und vermutlich allen Gästen um uns herum denkend, dass wir spinnen – verstehen wir diese Aussage sehr gut. Unser Gehirn scheint sich längst verabschiedet zu haben*, wir SEHEN.

Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol

Plötzlich entdecken wir nicht nur Insekten, Larven und Eier. Wir sehen Geschichten, Verhaltensmuster, ganze Ökosysteme. Wir beginnen zu verstehen, wie sich die tierischen Gartenbewohner je nach Tageszeit verhalten, wie sie auf Sonne und Regen reagieren und wie sie miteinander agieren.

Viele gute Fotograf*innen würden ihre Zeit im La Vimea sorgfältig planen: Licht analysieren, den Wetterbericht checken, sich die besten Zeiten für ein perfektes Bild überlegen, nicht zuletzt, um Tiere und Pflanzen möglichst wenig zu stören. Und das hat absolut seine Berechtigung. Auch wir machen das manchmal so.

Aber an diesen Tagen ist uns einfach mehr nach Seelenbaumeln. Wir folgen dem Gefühl. Wenn es passt, wenn niemand, vor allem keine Tiere oder Pflanzen, gestört werden, und wenn wir in der richtigen Stimmung sind, dann fotografieren wir. Und wenn nicht, dann geniessen wir einfach ein kühlendes Bad.

Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol
Seerosen, andere Pflanzen, Insekten im Schwimmteich im La Vimea, Südtirol

Zum Abschluss, kurz vor der Abreise, zieht uns der Feigenbaum neben dem Schwimmteich magisch an. Die Sonne scheint geheimnisvoll durch seine prachtvollen Blätter und es entsteht eines unserer Lieblingsbilder. Genug geschwärmt... La Vimea heisst das Hotel, nachmachen ist aussdrücklich erlaubt :-).

(Das Hotel hat diesen Beitrag weder gesponsert noch beauftragt. Wir teilen unsere persönliche Erfahrung.)

*Lutz Jäncke, unser Lieblingshirnforscher, würde an dieser Stelle wohl den Kopf schütteln. Dank seiner grossartigen Vorträge und Bücher wissen wir natürlich, dass er aus nüchtern-biologischer Sicht völlig recht hat.

Getreide Love

Getreide Love

Seit gut einem Jahr haben wir eine Getreidemühle von Mockmill und experimentieren voller Begeisterung: einerseits mit verschiedenen Getreidesorten, Mehl, Griess und Kleie, andererseits mit der Makrofotografie der Mühleprodukte.

Was uns die Mockmill-Mühle beschert, erfreut nicht nur unsere Gaumen, Gäste und Künstlerherzen, sondern auch unsere Verdauungssysteme. Noch nie haben wir uns wohliger genährt gefühlt, als mit frisch gemahlenem Getreide. Ein Stück Brot ist eben nicht gleich ein Stück Brot.

Früher kauften wir fixfertiges Mehl, manchmal aus Weizen, manchmal aus Dinkel. Viel wussten wir nicht darüber. Die Lernkurve im letzten Jahr war jedoch steil. Wir sind zwar (noch) keine Getreideprofis, aber ein paar Grundsätze haben wir in den vergangenen Monaten begriffen.

Beginnen wir mit einer Zusammenfassung der gängisten Mehle:

1. Weissmehl (Type 400 / 550)

Weissmehl wird nur aus dem inneren Teil des Korns hergestellt. Schale und Keimling des Korns werden entfernt.

Type 400 bedeutet, dass das Mehl 400 mg Mineralstoffe pro 100 g enthält.
Verwendeter Anteil des Korns: Etwa 50–60 % des gesamten Korns.

2. Halbweissmehl (Type 720)

Es enthält noch Anteile der Schale, jedoch weniger als Ruchmehl.

Type 720 bedeutet, dass das Mehl 720 mg Mineralstoffe pro 100 g enthält.
Verwendeter Anteil des Korns: Etwa 75 % des Korns.

3. Ruchmehl (Type 1100)

Ruchmehl enthält mehr Randschichten des Korns als Halbweissmehl, was es dunkler und kräftiger im Geschmack macht.

Type 1100 bedeutet, dass das Mehl 1100 mg Mineralstoffe pro 100 g enthält.
Verwendeter Anteil des Korns: Etwa 83 % des Korns.

4. Vollkornmehl (Type 1900)

Vollkornmehl wird aus dem gesamten Getreidekorn hergestellt, ohne Teile zu entfernen.

Verwendeter Anteil des Korns: Mindestens 98 % des gesamten Korns.

Gut zu wissen

Wenn das Mehl nicht sofort verwendet wird, ist Vollkornmehl durch den fetthaltigen Keimling weniger lange haltbar als gesiebtes Mehl. Der Glutengehalt ist insgesamt etwas geringer, da Schale und Keimling weniger Gluten enthalten.

Generell gilt: Je höher der Vollkornanteil, desto intensiver der Geschmack und desto gröber die Konsistenz. Vollkornmehl ergibt nährstoffreicheres Brot, enthält mehr Ballaststoffe und ist schwerer als Weissmehl.

(Quellen: Wikipedia und Über Mehlsorten und Mehlgrade auf Schweizer Brot)

Dinkelmehl Supermakro

Frisch gemahlenes Dinkel-Vollkornmehl, fotografiert mit dem 25 mm Laowa Supermakro Objektiv, dem Rogeti-Stativ mit Schlitten und dem Makroblitz von KuangRen. Was aus der Mühle kommt, lässt uns jedes Mal erneut staunen. Getreidekörner sind klein, aber fein und was für ein Geschenk auf unserem Speiseplan.

Was aus der Mockmill-Mühle kommt

Wir mahlen ganz verschiedene Getreidearten – je nach Lust, Laune und dem, was wir gerade zu Hause haben. Der Mahlgrad der Mühle lässt sich mit einem einfachen Dreh verändern: Die Distanz zwischen den beiden Mahlsteinen wird angepasst, wodurch das Ergebnis entweder feiner oder gröber wird.

Grob zerkleinertes Getreide nennt man Schrot, etwas feineres nennt sich Griess.

Es gibt ganz schön spannendes Brot mit fein gemahlenem Weizen und grob gemahlenem Mais.

Meistens mahlen wir mit dem feinsten Mahlgrad und verwenden das Mehl für Brot, Teig, Crêpes, Kuchen und mehr. Manchmal sieben wir das Mehl nach dem Mahlen noch mit einem feinen Mehlsieb (das haben wir bei BesondersGut gekauft).

Dadurch erhalten wir Auszugsmehl (feines Mehl) und Kleie. Das feine Mehl, das durch das Sieb fällt, besteht hauptsächlich aus dem Mehlkörper (Stärke und Gluten). Die Kleie – also das, was im Sieb zurückbleibt – ist reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Ballaststoffen. Sie schmeckt ausgezeichnet in einem Müsli.

Durch das Sieben verändern wir die Mehltype, also den Mineralstoffgehalt. Weissmehl (Typ 405 oder 550) lässt sich jedoch mit einer haushaltsüblichen Mühle und einem Sieb nicht herstellen. In industriellen Mühlen wird das Getreide in mehreren Schritten sehr fein gemahlen und die Bestandteile (Mehlkörper, Schale und Keimling) sorgfältig voneinander getrennt.

Unsere Mühle zu Hause schafft zwar feines Mehl, doch ein Anteil von Schale und Kleie bleibt immer enthalten – selbst nach dem Sieben.

Dinkelkleie

Was im Sieb zurückbleibt, ist die Kleie. Die Makroaufnahme zeigt, dass auch noch etwas feineres Mehl daran klebt. Kleie schmeckt sehr gut im Müsli oder mit Joghurt und ist gesund.

Wir kaufen das Bio-Getreide für unsere Mühle meistens bei der Maismühle Landolt in Näfels. Uns gefällt, mit wie viel Achtsamkeit und Leidenschaft die Menschen in dieser Mühle mit dem Nahrungsmittel umgehen. Auch im Alnatura-Laden gibt es Getreide, wenn auch nur in kleinen Mengen.

Getreide ist aber nicht einfach Getreide. Es variiert stark in Geschmack, Eigenschaften und sogar im Aussehen. Wir haben eine Übersicht der gängigsten Getreidearten erstellt und mit Wissen von Wikipedia sowie eigenen Erfahrungswerten ergänzt.

1. Weizen

Weizen ist weltweit eines der meist angebauten Getreide. Er enthält viel Gluten, das für die Elastizität von Teig sorgt, und ist daher besonders wichtig für Brot und Backwaren. Wir mögen Weizen sehr als flexiblen Allrounder ohne Mimimi-Allüren, denn Weizenmehl verzeiht uns auch mal zu viel Kneten oder zu viel Wasser im Teig. Intensives Kneten ist bei Weizenmehl sogar wichtig, denn nur so bildet sich das Gluten optimal aus.

In der Mühle Landolt kaufen wir manchmal auch Rotweizen, der vor allem als Getreide-Risotto optisch sehr attraktiv ist.

Kleiner Bonus: Aus Weizenmehl gibt es auch leckeren Seitan.

2. Dinkel

Dinkel ist eine Urform des Weizens und wird oft als besser verträglich angesehen. Er enthält ebenfalls Gluten, jedoch in einer anderen Zusammensetzung. Der Teig aus Dinkelmehl sollte nur kurz und schonend geknetet werden, sonst wird das Brot zu kompakt und wenig luftig.

Dinkel mögen wir am liebsten als Grünkern. Grünkern ist halbreif geernteter Dinkel, der anschliessend gedarrt (getrocknet) wird. Er hat einen nussig-rauchigen Geschmack und schmeckt uns hervorragend als Beilage. Beim Mahlen verwenden wir Grünkern meist in kleinen Mengen: entweder im Brotteig oder als Schrot.

3. Einkorn

Einkorn gehört zu den ältesten kultivierten Getreidesorten der Welt. Es ist besonders bekömmlich und eignet sich mit seinem nussigen Geschmack für Brot und andere Backwaren. Allerdings ist es einfacher, Einkornmehl mit Weizenmehl zu mischen, denn Einkornmehl allein ist nicht sehr elastisch und nimmt auch nur wenig Wasser auf.

4. Hafer

Hafer hat einen hohen Gehalt an Ballaststoffen und ist von Natur aus glutenarm. Ein Brot ausschliesslich aus Hafermehl zu backen ist schwierig, da Hafer keine dehnbaren Proteine enthält, die den Teig zusammenhalten und aufgehen lassen.

Wir lieben den Geschmack von Hafer und fügen ab und zu Haferschrot einem Weizenbrot hinzu oder geniessen ihn als Müsli. Hafer verwenden wir aber vorwiegend, um eine meeeeega feine Kuhmilchalternative herzustellen. Das Rezept dazu findest du weiter unten.

5. Roggen

Roggen ist kälte- und frostresistenter als Weizen, was ihn für den Anbau in nördlichen Regionen geeignet macht. Er hat einen kräftigen Geschmack und weniger Gluten. Wir haben unsere Liebe für Roggen jedoch noch nicht entdeckt und verwenden ihn in unserer Küche (noch) nicht.

6. Gerste

Gerste ist eine der ältesten kultivierten Getreidearten und wird oft als Braugerste für Bier verwendet. Wir nutzen Gerste vor allem für Suppe und Getreiderisotto – beides mögen wir sehr.

7. Reis

Reis ist das Hauptnahrungsmittel für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Unser Lieblingsreis stammt aus dem Ebro-Delta in Spanien.

Manchmal mahlen wir Reis und geben ihn in kleinen Mengen in den Weizenbrotteig. Meistens geniessen wir ihn aber als Beilage zu Currys und Gemüse oder als Risotto.

8. Mais

Mais ist vielseitig und wird sowohl als Nahrungsmittel als auch als Futtermittel genutzt. Achtung beim Mahlen von Mais: Popcorn-Mais sollte nicht in die Mühle gegeben werden.

Wir mahlen Mais meistens grob und fügen eine Handvoll dem Weizenbrotteig bei. Alternativ kochen wir Polenta und machen daraus knusprige Polentachips.

9. Hirse und Buchweizen

Hirse hat einen leicht süsslichen Geschmack, und Buchweizen ist eigentlich gar kein Getreide. Beide verwenden wir persönlich nur selten.

Grünkern Korn Makrofoto

Grünkern schmeckt uns am besten als ganzes Korn und ist mit seiner leicht grünlichen Farbe und gläsernen Textur sehr fotogen.

Getreidefeld

Fast noch fotogener als die Getreidekörner sind die jungen Getreidepflanzen im Feld.

Hafer-Getränk

Wir haben lange ausprobiert, wie uns die "Hafer-Pflanzenmilch" am besten schmeckt, und freuen uns sehr, dich in unser Geheimnis einzuweihen:

Wir nehmen 100 g Haferflocken (alternativ kannst du auch Bio-Vollkornflocken verwenden).

Die Haferflocken geben wir zusammen mit ca. 10–15 Cashewkernen, einer Prise Salz und 1 Liter Wasser in unseren Hochleistungsmixer (wir lieben unseren Schwingerprinz) und mixen das Gemisch für 30–35 Sekunden.

Danach sieben wir das Gemisch durch einen Pflanzenmilchbeutel (wir verwenden einen aus Nylon, weil sich dieser für uns am besten bewährt hat). Wir drücken den Beutel nicht aus, damit keine der winzigen Haferteilchen durch die Maschen entweichen und später im Hals kratzen. Stattdessen lassen wir die Milch einfach abtropfen. Das im Beutel verbleibende Gemisch fügen wir beim Backen dem Brotteig hinzu oder geben es in ein Müsli.

Die Getreidemilch schmeckt uns am besten gekühlt und mit frischem Fruchtsaft gemischt – zum Beispiel mit einer frisch gepressten Orange, etwas Apfelsaft oder einem Eiswürfel.

Getreidepflanze

Junge Pflanzen.

Rotweizen Makrofoto

Rotweizen.

Haferkorn Makrofoto

Hafer.

Exkursion ins Moos Wallisellen

Exkursion ins Moos Wallisellen

Das Moos Schönried in Wallisellen ist ein geschützter Fleck Land zwischen Autobahn und Bahnlinie, zwischen Glatt Einkaufszentrum und Mülliland. Es ist strikt untersagt, ohne Erlaubnis einzudringen. Nur so hat das Moor eine Überlebenschance.

Wir hatten Glück und durften an einer spannenden (und fast einmaligen) Führung des Naturschutzvereins Mittleres Glatttal (NVMG) teilnehmen.

Im Moos gibt es viele wunder-volle Pflanzen und Tiere, sogar drei verschiedene fleischfressende Pflanzen

Wir erfuhren viel während den zwei Stunden im Moos: Wir erhielten einen faszinierenden Einblick in das Leben von carnivoren Pflanzen und den Bedingungen eines Hochmoors. Sehr erfreut waren wir, dass wir trotz Zeitknappheit ein paar dieser wunderschönen Begegnungen fotografisch festhalten durften. Gerne teilen wir unsere Impressionen von diesem Tag mit dir. Willst du mehr über die spannenden Carnivoren erfahren, bist du herzlich dazu eingeladen, den Blogbeitrag auf der NVMG-Website zu lesen.

Baby-Kreuzspinnen

Baby-Kreuzspinnen

Gartenkreuzspinnen

Auch sie haben Babys

Auch wenn sie mir unheimlich sind

Mir Gänsehaut verleihen

Auch schon mal ein Zittern

Aber Stecknadelkopf klein im Kokon

Überwintert mit den Geschwistern

In einer Ecke des Fensterrahmens

Die Mutter lang gestorben

Jetzt im Frühling zum Leben erweckt

Sind sie doch irgendwie putzig

Tollen herum

Seilen sich ab und klettern wieder hoch

An fast unsichtbaren Fäden

Scheinen miteinander zu spielen

Elegant und schwebend

Ein spannendes Leben vor sich

Alles schon gelernt

Instinktiv bereit

Faszinierende Achtbeiner

(Einen informativen Bericht über die Kreuzspinnen findest du bei NABU.de.)