Schwanenkampf
Vor kurzem ist etwas geschehen, was ich in jüngeren Jahren nie für möglich gehalten hätte: Wir haben uns für den Grundkurs in Ornithologie angemeldet. Nun lernen wir, halb im Theorieraum, halb draussen auf Exkursionen, viel über unsere hiesigen Vögel … und über jene, die nur einen Teil ihres Lebens in der Schweiz verbringen. Feriengäste.
So kam es, dass wir vor einigen Tagen bei nassfeuchter Kälte in Rapperswil am See standen und plötzlich einen Schwanenkampf live miterlebten.
Ein Schwan, vermutlich ein Männchen (Höckerschwan‑Männchen haben meist einen etwas grösseren Höcker, die Geschlechtsbestimmung im Feld ist aber schwierig), wurde von einem weiteren verfolgt. Der Verfolger holte auf, griff ihn mit dem Schnabel an und packte ihn am Hals. Er drückte seinen Kopf unter Wasser, als wolle er ihn ertränken. Der bedrängte Schwan kämpfte sich ans flache Ufer und schaffte es, immer wieder Atem zu holen.
Der Schwan machte sich zum Angriff bereit.
Der Angreifer jagte den anderen Schwan durchs Wasser.
Der angreifende Schwan holte auf, dann attackierte er.
Er hielt ihn am Kopf fest.
Immer wieder zog der Angreifer den Kopf des Opfers unter Wasser.
Dann geschah etwas Erstaunliches. Zwei weitere Schwäne kamen schnell angeschwommen. Sie erinnerten uns an Polizisten auf Patrouille, die mit Blaulicht heraneilen. Sie schwammen ganz nah ans Geschehen, als wollten sie sagen:
Hey, wir sind jetzt hier, lass dein Opfer los.
Der Angreifer liess tatsächlich los, und die Schwäne zogen langsam davon.
Bei einer kurzen Google‑Suche lasen wir, dass sich Schwäne bei Kämpfen durchaus einmischen können... allerdings meist, um ihr eigenes Revier zu verteidigen, wenn die Auseinandersetzung hineingerät. Für uns sah es anders aus. Wissen wir denn wirklich so viel über Tiere?
Heute lasen wir im Republik ein sehr spannedes Interview mit Norbert Sachser, Verhaltensbiologe: «Manche Tiergeschichten klingen nach Science-Fiction». Er berichtet von fast unglaublichen Tierverhalten. Von Kakadus mit Kultur, von optimistischen Schweinen, ja gar von einem Wildschwein, das ein anderes Schwein aus einer Falle befreite.
Da scheint die Möglichkeit einer Schwan‑Patrouille plötzlich gar nicht mehr so abwegig.
Nachdem die zwei anderen Schwäne dazugekommen waren, liess der Angreifer sein Opfer entkommen.
Nachdem der Angreifer aufgegeben hatte, richtete er sich auf und zeigte noch einmal drohend seine ganze Pracht.














































































