Im Ornithologie-Grundkurs ging es diesmal um Vögel im Kulturland. Also um die Arten, die in unserer genutzten Landschaft leben: Felder, Wiesen, Dörfer.
Nach dem obligaten und spannenden Theorieabend zum Thema
spazierten wir an einem Samstagmorgen vom Bahnhof Regensdorf zum Katzensee.
Wieder waren unsere vier engagierten Kursleiterinnen dabei. Sie machen das freiwillig und aus Leidenschaft und ihr Fachwissen ist enorm: Sie kennen die Vögel, ihre Stimmen, ihre Lebensweise und erzählen spannende Details über die einzelnen Vogelarten. Nebst den Vogelthemen gingen sie auch auf politische Themen zum Schutz der Natur - oder eben leider oft zur Zerstörung der Natur - ein.
Wieder entdeckten und beobachteten wir eine unglaublich vielseitige Tierwelt und wunderten uns, warum wir früher nur einen Bruchteil all dieser Vögel wahrgenommen hatten. Der Kurs hat uns in vieler Hinsicht die Augen noch mehr geöffnet. Zudem freut es uns sehr, wenn wir die gefiederten Tiere nun besser beschreiben können, ihre Namen und Verhaltensweisen kennen.
Stare begleiteten uns fast den ganzen Morgen. Sie sind talentierte Sänger, imitieren alles, vom Buntspecht bis zum Telefon und glänzen wunderschön im Sonnenlicht.
Rot- und Schwarzmilane gehören zu den Greifvögeln, da sie ihre Beute mit den Füssen - dem Greifen - töten und nicht mit dem Schnabel, wie zum Beispiel der Turmfalke. Bei den Greifvögeln und den Eulen sind die Weibchen grösser als die Männchen. Milane wechseln einmal im Jahr all ihre Federn. Weil Milane am Himmel gleiten und keine spektakulären Wendemanöver durch die Bäume fliegen, wie die Mäusebussarde, können wir sie oft ohne Eile beobachten. So erkennen wir schon bald die Unterschiede zwischen dem Rot- und dem Schwarzmilan. Siehst du sie auch?
Der Mäusebussard ist der häufigste Greifvogel der Schweiz (Quelle: https://greifvogelstation.ch/vogel/maeusebussard/). Nebst seiner Wendigkeit erkennt man ihn auch gut an seinem runden Schwanz und an seinen miauartigen Rufen.
Den Bahngeleisen entlang gehend, diskutierten wir eine vergangene Sichtung eines Sperbers und wie wenn das Tier dies geahnt hätte, flog gleich ein Sperberweibchen über unsere Köpfe. Etwas später konnten wir den Rüttelflug eines Turmfalkens beobachten. Diese Flugart erlaubt es dem Falken fliegend an derselben Stelle zu verharren, um nach Beute Ausschau zu halten.
Einige der sogenannten Birders - also Menschen, die als Hobby Vögel in ihrer natürlichen Umgebung beobachten, haben solche Spektive. Das sind qualitativ hochstehende und sehr vergrössernde Beobachtungsfernrohre. Das Bild, das sich beim Durchsehen zeigt, ist die Mühe des Herumtragens und Aufstellens wert. Doch uns Fotografen fehlt am Spektiv der Auslöser und der schnelle Autofokus.
Die Vogelexkursionen lehren uns auch viel über unsere Pflanzenwelt. So hatten wir vorher nie bemerkt, dass am Efeu Beeren wachsen. Da sind uns die Amseln weit voraus, denn sie wissen nicht nur von den Beeren, sondern mögen sie auch sehr. Achtung: Efeubeeren sind für Menschen giftig.
Von blossem Auge sahen wir nur einen Feldsperling auf einer Tanne sitzend. Erst zuhause auf dem Bildschirm erkannten wir die Szene: Der Vogel sitzt sozusagen am Mittagstisch.
Zum Schluss erklärt uns eine der Leiterinnen, dass wir noch viel mehr und artenreichere Vögel gesehen hätten, wenn das Kulturland nach biologischen Vorgaben bewirtschaftet würde. Denn dann gäbe es um die Felder herum mehr Sträucher, Gestrüpp, Pflanzen und Blumen, in denen sich Tiere verstecken und fortpflanzen können.
Je mehr Insekten, desto mehr Vögel.
Einmal mehr sinnieren wir darüber, warum wir Menschen uns dahin entwickelt haben, unsere ungiftigen Esswaren mit Bio-Label zu versehen, anstatt diejenigen Lebensmittel zu kennzeichnen, die mit Gift produziert wurden.
Warum müssen Tabakwaren, Reinigungsmittel oder Spielzeug Warnhinweise tragen, Lebensmittel mit Giftstoffen jedoch nicht?
Ein Unkrautvernichter mit dem Wirkstoff Glyphosat warnt auf dem Etikett vor Gift und Umweltgefährdung. Doch ein konventioneller Hafer mit Glyphosat-Rückständen heisst einfach nur Hafer, ohne Hinweis auf die Belastung.
Status quo ist nicht in Stein gemeisselt, ein Perspektivenwechsel ist möglich und nötig.
Das erinnert uns an Indien, wo bis heute Restaurants, die auch Fleisch anbieten, mit Non-Veg angeschrieben sind.
Und wie wenn es Zufälle doch gäbe … sehe ich heute auf den sozialen Medien eine Aussage von Jane Goodall zum Thema Gift und Pestizide. Jane Goodall, die ich seit meiner Jugend verehre, wunderte sich ebenfalls: Warum sprayen wir Menschen giftige Chemikalien auf unser Essen?




























Toller Bericht, schade ☹️, dass ich in den Ferien war.
Hoi André, herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. Wir freuen uns, wenn du bei der nächsten Exkursion dabei sein kannst.