Letztens hat mir mein Sohn seine neusten Fotos geschickt, die er mit seiner Analogkamera in Paris aufgenommen hat. Er hat ein aufmerksames Auge, einen ausgefallenen Stil, eine künstlerische Ader und erzählt mit seinen Bildern (wie auch mit seinen Filmen) offen gelassene Geschichten.
Eines der Fotos hat mich besonders gefesselt. Es zeigte seine Lebenspartnerin, die von einer Menschenmenge umgeben war und sich zu ihm umdrehte. Was ihre Drehung im falschen (oder besser: richtigen) Moment ausmachte, war eine Bewegungsunschärfe im Bild. So kam es,
dass sich die Protagonistin der Szene unscharf präsentierte,
während die zufällig anwesende und unpersönliche Menschenmenge scharf blieb.
Was streng genommen wohl mit einem Seufzer zum Wegwerfbild geworden wäre, wurde plötzlich zum Star der Serie. Aber warum?
Einmal mehr wurde uns bewusst, dass es bei der Fotografie eben nicht nur um die Ablichtung und Festhaltung von Lebewesen, Dingen und Szenen geht, sondern um Kunst, um den Ausdruck einer Geschichte, um das Gefühl, das ein Foto beim Betrachter hinterlässt.
Es gibt Fotos, die betrachten wir beinahe mit der Lupe, Detail um Detail. Bei anderen kneifen wir die Augen leicht zusammen und erleben das Gesamtbild, fühlen, wie es wirkt, spüren die Geschichte dahinter beinahe mit geschlossenen Augen.
Und so kommt es, dass wir euch heute ein paar unserer «Wegwerffotos» präsentieren: Kunstwerke aus der Natur, mit verschwommenen Stellen, die das Bild aus dem Biologiebuch hinausbuxieren, hin zum Louvre der Fotoimpressionen.
Eine winzige Mücke, fotografiert im Schwarzwald. Es war bereits ziemlich dunkel im Wald, und die Mücke wollte nicht stillhalten. So schafften wir es nur, einen winzigen Teil des Insekts scharf abzubilden. Und trotzdem ist das Bild ein kleines Kunstwerk geworden.
Mal ehrlich: Bei solchen Augen muss nichts drumherum scharf sein, denn der Blick kann sich sowieso kaum vom Rot abwenden. Gilt das schon als Hypnose?
Und zu guter Letzt möchten wir euch das Foto von Desmond nicht vorenthalten, denn es zeigt mehr als alle Worte, was wir mit «scharf/unscharf» meinen.

















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